Ortschronik

altes Dorfwappen

Auchsesheim liegt an der alten Römerstraße Donauwörth-Augsburg. Der Ortsname wurde früher "Osenshaim, Ahsenshaim, Auxeshaim" geschrieben. Diese Gruppensiedlung des Ochsing dürfte um das Jahr 650 in der Mertinger Flur entstanden sein. Die Mertinger Flur reichte damals bis an die Donau. Bis 1429 gehörte Auchsesheim zur Pfarrei Mertingen, noch bis 1845 mußten mehrere Auchsesheimer dem Mertinger "Meierbauern" Zehent entrichten. Zum Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth gehörten 1194 zwei Höfe und drei Lehen in Auchsesheim. 1070 soll Mangold II. seine Besitzungen in Auchsesheim, Möringen und Mertingen diesem Kloster geschenkt haben. Es waren dies der etwa 150 Tagwerk große "Meierhof" (Gerstmeier, Werner-Egk-Platz 6), der "Lenzenbauerhof" mit 90 Tagwerk (Hoser, Mertinger Straße 26), die Gastwirtschaft, das "Lehengehöft" (Werner-Egk-Platz 18) und ein abgegangenes Anwesen, wo damals auch die Schmiede stand (heute Mertinger Straße 18). Der "Langsimonhalbhof" (Mertinger Straße 19) gehörte von mindestens 1452 bis 1803 zum Domkapitel. Da dem Augsburger Domkapitel der Getreidezehent von allen Äckern aus Auchsesheim und Möringen zustand, war einst auch dort ein Zehentstadel. Dieser stand im Hof der Gastwirtschaft (Mertinger Straße 13). Grundherr von den anderen Anwesen, sowie auch Gerichtsherr im ganzen Dorf war der jeweilige Inhaber der Herrschaft Wörth, zu der schon 1270 Auchsesheim gehörte. 1452 bestand der Ort aus 12, 1806 erst aus 27 Häusern.

Nach alter Überlieferung soll das Auchsesheimer Marien-Kirchlein 1051 vom Papst Leo IX. geweiht worden sein. Einer Sage nach wurde der Kirchenbau von 1051 in Nordheim begonnen, aber was die Nordheimer bei Tage aufbauten, wurde bei Nacht von den "Wichtelmännern" aus Zirgesheim wieder abgebrochen und nach Auchsesheim transportiert. Dieses wurde als Fingerzeig Gottes gedeutet und die Kirche nach Auchsesheim gebaut, obwohl Nordheim schon damals die größere Ansiedlung war.

Im Jahre 1429 stifteten die Heiligenpfleger der Auchsesheimer Kapelle sowie die Gemeinde Auchsesheim, Nordheim, die vier Zusumer Schwaighofbauern und der "Schwadermüller" 15 Tagwerk Äcker und Wiesen, sowie Haus, Hof und Garten bei der Kirche zur Errichtung einer Kaplanei. Patrozinium wurde bis 1429 an Maria, dann an Ursula und Walburga, 1521 erstmals an Georg gefeiert. 1790 wurde ein neues Pfarrhaus gebaut, 1792 wurde die St. Georgs-Kirche erweitert. Der Turmunterbau und der gotische Chor stammen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts.

In der Stauferzeit nannte sich ein Donauwörther Patriziergeschlecht "von Auchsesheim". Eingegangen ist Auchsesheim in die Geschichte wegen des Donauwörther Kreuz- und Fahnengefechtes: Am Markustag 1606 störten mehrere Donauwörther Bürger eine Prozession der Katholiken von Heilig Kreuz auf dem Rückweg von Auchsesheim, was schließlich die Reichsacht für Donauwörth zur Folge hatte.

Die Schwadermühle wurde 1217 vom Kloster Heilig Kreuz als Mahl- und Ölmühle für Auchsesheim, Zusum, Möringen und die zum Kloster gehörigen Schwaighöfe erbaut. Diese Mühle ist um 1880 abgebrannt.

Möringen ist eine alte abgegangene Siedlung. 1194 war Heilig Kreuz Besitzer von fünf Möringer Halbhöfen. Die Möringer Flur fiel meist der Donau zum Opfer, der Rest wurde an die Schwadermühle, die Auchsesheimer Söldner und die Zusumer Schwaighofbauern verkauft.

Im Jahre 1800 bestand Auchsesheim aus 27 Häusern (209 Einwohner). Es waren dies die Kirche, das Pfarrhaus, das Hirtenhaus, die Wirtschaft, zwei Bauernhöfe, 16 "Sölden" und 4 "Halbsölden". In der Notzeit von 1816 bis 1830 wurde der Meierhof von den Juden um ca. 100 Tagwerk verkleinert. Die Einwohner waren meist Tagelöhner und Handwerker, z.B. Maurer, Maler, Schäffler, Schuster, Weber, Schlosser und Metzger.

Der Auchsesheimer Hirte mußte ca. 40 Pferde, 250 Rinder und 135 Schweine hüten. Als Weideland standen ihm 300 Tagwerk Gemeindegrund (Riedwiesen) und 150 Tagwerk Brachland aus der Drei-Felder-Wirtschaft der Bauern zu. Nach der Aufteilung der Gemeindegründe (ca. 9 Tagwerk je Rechtler) wurde das Hirtenhaus zum Gemeinde- bzw. Armenhaus. Dort steht heute das Feuerwehrgerätehaus.

1812 kauften die Gemeinden Auchsesheim und Nordheim das freistehende Metzgerhaus (heute Kindergarten) für 870 Gulden und mit einem Staatszuschuss von 116 Gulden wurde es repariert und als Schulhaus umgebaut.

Neben dem üblichen Schulgeld war der damalige Schulmeister Maiershofer vor allem auf die Einkünfte als Mesner angewiesen. Als "Mesner-gilt" erhielt er von den 25 Auchsesheimern, den 41 Nordheimer Anwesen, der Schwadermühle und der Zusumer Wirtschaft insgesamt 26 "Metzen" (10 Zentner) Dienstkorn, von jedem "Jauchert" (0,5 ha) des bebauten Feldes eine Garbe von der Frucht, die darauf angebaut wurde. Beim Tod eines Erwachsenen mußte ein Bauer einen Metzen (40 Pfund) und ein Söldner einen Vierling (10 Pfund) Roggen geben.

Auch die späteren Mesner erhielten noch bis 1960, neben ihrem geringen Lohn, 13 Pfund Korn je Gemeinderecht, das ergab pro Jahr ca. 140 kg; der Lenzenhof mußte 10 Pfund Brot dem Pfarrer geben.

In Auchsesheim wurde um 1880 viel Flachs angebaut. Getrocknet wurde er auf den Feldern beim Dorf und geröstet in den Backöfen. In der Schwadermühle wurde aus den Leinsamen Öl geschlagen und welches zum Kochen und Backen, sowie als Brennöl für die Öllampen verwendet wurde.

Es dauerte über eintausend Jahre, bis sich Auchsesheim zu einem Dörflein entwickelte. 1918 waren es erst 38 Häuser.

Ab 1880 wurde in Auchsesheim mit dem Erlös vom Torfstechen so manche Sölde zu einer ansehnlichen Landwirtschaft vergrößert. Der Torf wurde waggonweise an die Industrie und die Bahn zum Heizen der Dampfmaschinen verkauft. Der Umsatz ging erst zurück, als Kohle mit Maschinen billig abgebaut werden konnten. Die ausgestochenen Wiesen sind heute die Naturschutzgebiete von Auchsesheim und Heißesheim. Es wurde noch bis ca. 1960 für den eigenen Ofen Torf gestochen.

1890 wird die um 1879 im Schulgarten erbaute Schule zu klein. Die Zahl der Schüler stieg auf nunmehr über einhundert und hielt sich auf dieser Höhe. Daher wurde in Nordheim eine eigene Schule gebaut.

Ab 1898 wurden nur noch die Kinder von Auchsesheim und Zusum in der Auchsesheimer Schule unterrichtet (ca. 60 Kinder).

Die Kirche und das Standesamt blieben jedoch weiterhin in Auchsesheim.

Im ersten Telefon-Buch von 1908 des "Ortsnetzes Donauwörth" war unter 54 Anschlüssen auch Auchsesheim "Öffentlich" verzeichnet.

Am 10. März 1919 wurde von den Lech-Elektrizitätswerken erstmals für Auchsesheim der Strom eingeschaltet.

Um 1920 begannen die ersten Bauern mit dem Zuckerrüben-Anbau, der sich bis heute zu einem wichtigen Betriebszweig der Landwirtschaft entwickelte.

In der ersten Juniwoche 1926 waren nach längerer Regenzeit die Flüsse über die Ufer getreten. Durch die großen Wassermassen barsten die Hochwasserdämme an Donau und Zusam, so dass auch in Auchsesheim Häuser zum Teil bis auf Fensterhöhe im Wasser standen. Es war dies das verheerendste Hochwasser des letzten Jahrhunderts in unserer Gegend.

Am 4. Juli 1929 kam ein in der Geschichte von Auchsesheim noch nie erwähnter starker Hagelschlag. Es wurden die Feldfrüchte zu 100% vernichtet, sogar an Häusern wurden Dachplatten und Fenster stark beschädigt. Es mussten Dachplatten aus Straubing und der Münchner Gegend waggonweise angefahren werden, da die hiesigen Ziegelwerke kurzfristig nicht solch große Mengen herstellen konnten.

1934 wurde die St. Georg-Kirche innen und außen renoviert.

Bei Kriegsende 1945 kam Auchsesheim mit nur einigen beschädigten Gebäuden relativ glimpflich davon.

1944 bis 1948 stiegen die Einwohnerzahlen sprunghaft von ca. 250 auf über 500 in die Höhe. Nach der Evakuierung der Ausgebombten aus den Großstädten, kamen auch noch die Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Gebieten in unser Dorf.

1948 gab es in Auchsesheim 38 Lieferanten von Kuh- und Ziegenfrischmilch. 1988 bestehen noch 6 milcherzeugende Betriebe integriert in 16 Voll- und Nebenerwerbslandwirte.

1948 wurde die erste Friedhofserweiterung durchgeführt sowie ein Leichenhaus erstellt.
1949 erfolgte der Bau eines Gemeindehauses mit 4 Wohnungen.
1952 die Erweiterung der Schule auf zwei Klassenzimmer.
1957 Bau des Feuerwehrgerätehauses und Beginn der Flurbereinigung.
1959 Baubeginn der örtlichen Wasserversorgung.
1960 die Neuverteilung der Grundstücke und weitere Friedhofserweiterung.
1963 Neubau des Pfarrhofes mit Jugendheim, Baubeginn der Ortskanalisation.
1964 wurde die St. Georg - Kirche restauriert und modernisiert.
1965 die Heizung eingebaut und eine neue lose Bestuhlung angeschafft.
1966 Abschluß der Kanalisation

Auchsesheim ist auch der Geburtsort von dem bekannten Komponisten Professor Werner Egk. 1967 wird Professor Egk Ehrenbürger von Auchsesheim; es wurde dann der Dorfplatz nach ihm benannt.

Seit der Gebietsreform vom 1. Juli 1971 ist Auchsesheim ein Stadtteil von Donauwörth und somit beginnt auch ein neuer Abschnitt der Ortsgeschichte. Die Gemeindeverwaltung wurde aufgelöst und die Dienstgeschäfte von der Stadtverwaltung übernommen. Die Dorfschule wurde ebenfalls aufgelöst und gehörte der Vergangenheit an. Die Schüler aus Auchsesheim wurden von nun an mit dem Omnibus zum Unterricht nach Donauwörth, Nordheim und Zirgesheim gefahren. Erst nach dem Neubau einer Hauptschule in Donauwörth konnten unsere Kinder die Grund- und Hauptschule in der Kernstadt besuchen. Im Jahre 1974 wurde im alten Schulgebäude ein Kindergarten eingerichtet.

Das im Nachkriegsjahr 1948 erbaute Leichenhaus wurde 1975 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.

1980 wurde eine neuen Orgel mit 16 klingenden Registern eingeweiht.

In den Jahren 1992/1993 führte die Pfarrgemeinde St. Georg unter großer Opferbereitschaft und durch Eigenleistungen der Bürger eine umfangreiche Kirchenrenovierung durch. Dabei erhielt der Innenraum eine völlige Neugestaltung.

Der Stadtteil konnte sich seit der Eingemeindung, durch Ausweisung mehrerer Baugebiete, erheblich vergrößern.

Nach jahrelangem Tauziehen durch unseren jetzigen Oberbürgermeister Dr. Alfred Böswald, wurde am 12. Juli 1997 Donauwörth wieder der Status "Große Kreisstadt" zugesprochen. Dieser Status wurde damals nach Ende des 2. Weltkriegs der Stadt aberkannt bzw. nicht wieder verliehen worden.

700 Einwohner (Stand: 1989) beherbergt der heutige Donauwörther Stadtteil mit 220 Haushalten in 170 Häusern. Diese sind unterteilt in Ein- und Mehrfamilienhäuser, Landwirtschaft und Gewerbegebäude.

Heute umfasst der Stadtteil rund 690 Einwohner und neben seinem landwirtschaftlichen Gepräge weist er auch schöne Neubaugebiete wie die "Meierhofsiedlung" und den "Schrankenäcker" auf.

Ortsmittelpunkt ist der, nach dem berühmtesten Sohn Auchsesheims benannte Werner-Egk-Platz, der dem weltberühmten Komponisten würdigt. An diesem Platz wurde Ende September 2001 der "Kindheitsbrunnen" mit einen Brunnenfest feierlich eingeweiht. Dieser Brunnen konnte nach einem Spendenaufruf des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Alfred Böswald und unseres Stadtrates Anton Gerstmeier, zum größten Teil aus Spenden der Bürger und Vereine, verwirklicht werden. Der Brunnen gehört mittlerweile als fester Bestandteil zum Ortsbild.

Die Auchsesheimer Vereine, deren Vereinsleben sehr aktiv ist, halten gute und freundschaftliche Verbindung zu allen Stadtteilvereinen. Auch bei Festen und Veranstaltungen in der Kernstadt wirken sie mit und tragen dazu bei, das Leben miteinander und füreinander, schön, angenehm und lebenswert zu gestalten.

aus: Festschrift 75 Jahre Schützenverein Frohsinn Auchsesheim
Festschrift 75 Jahre Soldaten- und Kameradenverein Auchsesheim-Zusum e.V.
recherchiert und verfasst von Josef Neureiter


16.1.2000 - Hubert und Stefan Metz
19.05.2001 - Manfred Gentner